Moleskine || Bruce Chatwin

Bruce Chatwin (* 13. Mai 1940 in Sheffield; † 18. Januar 1989 in Nizza) war ein britischer Schriftsteller.


Leben und Werk

Chatwin wurde 1940 in Sheffield, Großbritannien, geboren.
In den Kriegsjahren reiste seine Mutter mit ihm durch große Teile Englands, um bei Freunden und Verwandten vor den deutschen Luftangriffen Unterschlupf zu finden.
Statt das geplante Architekturstudium zu beginnen, arbeitete er mit 18 Jahren als Botenjunge für das Auktionshaus Sotheby’s.
Vier Jahre später war er bereits Direktor der Abteilung für impressionistische Kunst. Vorgeblich wegen eines Augenleidens gab er diese Stelle auf und reiste in den Sudan.
Danach studierte er in Edinburgh ein Jahr lang Archäologie, brach das Studium jedoch ab. 1973 wurde er Mitarbeiter der Sunday Times, zunächst als Berater für Kunst.
Bald darauf widmete er sich vielfältigen Themen, reiste für Interviews und Berichte durch die Welt. Im Dezember 1974 kündigte er dort, angeblich mit dem Telegramm an die Redaktion: „Für vier Monate fort nach Patagonien“.

Eine Begegnung mit der Architektin und Designerin Eileen Gray gab den entscheidenden Anstoß zu einer halbjährigen Reise nach Patagonien, um den Brontosaurus zu suchen. Hier wurde ihm klar, dass das Erzählen und Schreiben die für ihn angemessene Beschäftigung wäre. Er bereiste auch Australien und setzte sich mit der Kultur der Aborigines auseinander. Reisebücher wie In Patagonien und Traumpfade (orig. The Songlines) wurden Bestseller. Die Romane Auf dem schwarzen Berg und Der Vizekönig von Ouidah wurden verfilmt, letzterer unter dem Titel Cobra Verde durch den Regisseur Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Hauptrolle.

Chatwin war seit 1964 mit der Amerikanerin Elizabeth Chanler verheiratet, die er von Sotheby’s kannte.
Er war bisexuell und hatte wechselnde Affären mit teils prominenten Liebhabern.
1986 erkrankte Bruce Chatwin an AIDS, in dessen Folge er 1989 in Südfrankreich verstarb. Seine Asche wurde unter Beisein seines Freundes Patrick Leigh Fermor neben einer kleinen Kirche auf der Peloponnes beigesetzt.


Rezeption und Wirkung

Von Kritikern wurde Chatwin allerdings mangelndes Verständnis der beschriebenen Kulturen, besonders in Australien, und Rücksichtslosigkeit vorgeworfen. Ihm wurden auch Ungenauigkeiten und ein Hang zu freien Erfindungen unterstellt. Hingegen wurde Chatwins lakonischer Stil von Kritikern gelobt. Bei der Leserschaft wurde Chatwin durch seine plastischen Beschreibungen fremd wirkender Umgebungen populär. Auch seine teilweise übertriebene Begeisterung für das Nomadentum – er hielt sich selbst für einen Nomaden – faszinierte viele Leser.


Sonstiges

Bruce Chatwin verwendete auf seinen zahlreichen Reisen stets Moleskine-Notizbücher. Noch heute wird diese Tatsache von der Herstellerfirma werbewirksam vermarktet.


Werke

  • In Patagonien (In Patagonia), Reisebericht, 1977
  • Der Vizekönig von Ouidah (The Viceroy of Ouidah), Roman, 1980
  • Auf dem Schwarzen Berg (On The Black Hill), Roman, 1982, ISBN 3-596-10294-4
  • Wiedersehen mit Patagonien (Patagonia Revisited), Gespräch mit Paul Theroux, 1985
  • Traumpfade (The Songlines), Roman, 1987, ISBN 3-596-10364-9
  • Utz (Utz), Roman, 1988
  • Was mache ich hier (What Am I Doing Here), Essays, 1989
  • Auf Reisen (Photographs and Notebooks), Fotografien, Carl Hanser Verlag, München 1993, ISBN 3-446-17549-0
  • Der Traum des Ruhelosen (Anatomy of Restlessness), Schriften aus dem Nachlass, 1996
  • Verschlungene Pfade (Winding Paths), Fotografien, 1998


Literatur

  • Nicolas Shakespeare: Bruce Chatwin – Eine Biographie. Kindler, Reinbek 2000, ISBN 3-463-40389-7
  • Susannah Clapp: Mit Chatwin. Porträt eines Schriftstellers. Fischer, Frankfurt 2000, ISBN 3-596-14562-7


Weblinks

  • http://www.bruce-chatwin.de/

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